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Aus der Sicht der Großen:
Die Beziehung der Patenklassen beginnt bei der Schuleinführung der Erstklässler, wenn diese von den Paten, den Schülern der 9. Klasse durch den Blumenbogen auf die Bühne geleitet und dann in den Klassenraum zur ersten Unterrichtsstunde geführt werden. Es ist berührend zu sehen, wie die „Großen“ sich liebevoll und aufmerksam um die teilweise etwas verängstigten „Kleinen“ bemühen. Bei gemeinsamen Ausflügen bahnen sich dann erste Kontakte an. Manche Oberstufenschüler, die keine kleineren Geschwister haben, müssen sich erst daran gewöhnen, Gespräche und Beschäftigungen mit den so viel Jüngeren zu finden. „Was soll ich denn mit ihm reden?“, wird da durchaus gefragt. Andere wiederum offenbaren durchaus pädagogisches Geschick. In der Vorweihnachtszeit haben die Neuntklässler eine Baumscheibe geglättet, Löcher gebohrt und mit Naturmaterialien ein Adventsgärtlein gestaltet. Nun wurde mit Ton gemeinsam Maria und Joseph geformt. Dabei halfen die Paten den Kleineren geduldig und es entstand eine ganz innige adventliche Stimmung.

Während der gemeinsamen Schulzeit fanden die unterschiedlichsten Aktivitäten statt. Bei gemeinsamen Ausflügen sorgten die Oberstufenschüler dafür, dass alle Straßen sicher überquert, ordentlich in die Straßenbahn ein- und ausgestiegen wurde. Unterstützten die Großen ihre Patenkinder beim Fasching, beim Michaeli-Fest und bastelten Adventskalender, erhielten diese wiederum Geschenke von den Jüngeren, selbstgemalte Geburtstagskarten, die im Klassenraum ausgestellt wurden, gebastelte Laternchen, eine wunderbare Verpflegung zu den schriftlichen Prüfungen und jedes Jahr Martinshörnchen. Zum Abschluss der Patenbeziehung organisierte die dann 12. Klasse eine ordentliche Schnitzeljagd, bei der auch ein echter Schatz gefunden wurde. So wuchs in den vier Jahren eine herzliche Beziehung, in der die Schüler ein bisschen die Rolle eines größeren Geschwisterteils einnahmen. Jetzt in der 12. Klasse fragt dann niemand mehr verunsichert, was er mit den Knirpsen, die ja auch keine mehr sind, anfangen soll.

Aus der Sicht der Kleinen:
Wie aufgeregt waren die kleinen Erstklässler an ihrem ersten Schultag. Alles war neu und was die Zukunft bereit hält, kannten die Kleinen nur aus Erzählungen der Eltern, Großeltern oder der älteren Geschwister. Die Patenklasse war in dieser Situation ein Segen. Verantwortungsbewusst helfend und absolut glaubwürdig nahmen die SchülerInnen die Kinder an die Hand und begleiteten sie hinein in die Schule, die ja nun für viele Jahre ihr zweites Zuhause werden sollte. Viel ist in der Zeit geschehen und wir sind jetzt 5. Klasse. Immer wieder haben uns die Großen in dieser Zeit beschenkt – mit Geschichten, dem Adventskalender oder auch mit einer Geburtstagskarte. Wie froh waren die Kleinen, als auch sie endlich schreiben konnten und so manche Geburtstagskarte ist seitdem die Räume hin und her gewandert. In der ersten Klasse konnten die damaligen Erstklässler nur voller Freude annehmen. In diesem Schuljahr wollen sie als 5. Klasse den Spieß umdrehen, wenn in der 13. Klasse so viel gelernt werden muss.

Elke Bernhardi-Traupe